11 korb fertig

Über Korb flechten oder wie man Dinge lernt, die früher selbstverständlich waren

Liebste Freunde in Fern und Ferner,

schon zu lange haben wir nichts mehr von uns hören lassen… Es ist viel zu tun und viel passiert auf Hasslebo!

All die Unkenrufe, uns würde ja nur langweilig werden, können wir nicht bestätigen 😉 Wir wissen gar nicht wo wir anfangen sollen. Dazu allerdings mehr in anderen Blogeinträgen, nun etwas von dem ich schon lange berichten will.

Zur Ålandischen Kultur gehören Volkshochschulkurse einfach dazu. Es gibt sie auf der Hauptinsel vom Sprachkurs bis zum Zumba und sogar im Schärengarten zu Allerlei Themen. Im Herbst habe ich gleich 3 Kurse besucht: Pilze sammeln (sehr cool!), Schwedisch Konversation (in Mariehamn, sehr nützlich) und Pilflätning med Leif – Korb flechten aus Weide mit Leif

Ich wollte schon immer so einen geflochtenen Korb, die sind nur ziemlich teuer (30-40 € oder so)… Als ich dann das Kursangebot gesehen habe, war ich natürlich sofort Feuer und Flamme! :-)

Über 2 Tage hinweg haben wir uns in der Kumlinger Schule getroffen und eifrig geflochten. Entstanden sind 2 sehr individuelle (Symmetrie ist was für Langweiler…)  Körbe  – mein voller Stolz :-)

Grundsätzlich ist es unwahrscheinlich einfach einen Korb zu flechten. Gerade zu banal. So banal, dass ein geflochtener Korb bis zur Erfindung des Plastik ja für alles angewendet wurde.  Nachwachsend, kompostierbar, flexible Formen… Alles was man sich von einem Aufbewahrungs-/Transportgefäß nur wünschen kann.

Ich gestehe, dass ich vor diesem Kurs wirklich keine Ahnung von all dem hatte (Kenner mögen mir also meine unzulängliche Terminologie verzeihen) – umso begeisterter bin ich nun:
Ich dachte ja ehrlich, dass die Weiden eingefärbt  (oder behandelt) würden um mal verschiedene Farben (grün, rot, gelb, verschiedenste brauntöne…) zu erzeugen…Aber nein…Die wachsen tatsächlich so! Es gibt eine Unzahl an verschiedenen Weiden, je nach Anwendung schneidet man sie jung oder älter, bewahrt sie dann auf und weicht sie eine Woche vorher wieder ein, dadurch sind sie so elastisch, dass man sie flechten kann.

Grundsätzlich beginnt man immer mit dem Boden und dort mit einem Kreuz aus stabilen, dickeren Hölzern.

korb 1 los gehts

Dann wird der Boden geflochten.

korb 4 profiboden

So sieht das dann fertig aus.

korb 2 der boden

Von hier werden dann seitlich die senkrechten Teile der Seitenwände angebracht, in die dann wiederum die Seitenwand eingeflochten wird.

korb 6 boden rund

Ab hier werden die Führungszweige nach oben gebogen und ganz oben zusammengebunden.

korb 7 in die höhe

Jetzt kann damit begonnen werden die Seitenwände einzuflechten. Gerne auch in verschiedenen Farben und Techniken.

korb 8 wände

korb 9 farbwechsel

Zum Schluss werden die senkrechten Teile ebenfalls eingeflochten.

korb 10 es wächst

Am Ende wird der Henkel angebracht und wiederum umflochten und dadurch fixiert.

korb 11 henkel

Das alles gibt es in unglaublich vielen Variationen. Wirklich super schöne künstlerische Sachen dabei!

Und da das Flechten grundsätzlich sich wiederholenden Mustern folgt ist das sehr meditativ…Ich hatte also viel Zeit um über das Flechten von Körben und Dinge, die damit zusammen hängen, nachzudenken :-)

Ich frage mich oft, was ich heute kann oder weiß, was man vor 50 oder 100 Jahren nicht konnte… Dass das Wissen zunimmt, ist ja nur logisch… Wir entwickeln uns ja weiter. Aber wie viel Wissen oder Techniken verlieren wir? Und wie viel davon sollten wir nicht vergessen?

Sich mit allem im Leben selbst zu versorgen, war lange Zeit das Ziel von einem Großteil der Menschen.
Heute lagern wir alles aus und bedienen uns nur an den Produkten anderer.   Dementsprechend wenig praktisch Wissen vereint ein Einzelner in sich.
Dementsprechend leicht lassen wir uns auch dazu bringen, Dinge zu erwerben, die wir nicht brauchen. Aber weil es ja moderner sein muss, entwickeln sich die Dinge weiter – gerne auch ins negative (ich denke da spontan an all die Putzmittel… Ich weiß gar nicht, was man damit alles putzen soll und wieso es ein Unterschied ist, wenn ich die Badfliese oder die Küchenfliese putze…) und wir kaufen sie, weil wir ja die Hintergründe nicht mehr kennen.
Unser Detailwissen nimmt zu, aber die Zusammenhänge verstehen wir nicht mehr. Und uns fehlen die Alternativen.

Wir nehmen selbstverständlich die Plastiktüten um das Gemüse einzutüten, einfach weil wir es so gelernt haben. Wenn man Öko ist, nimmt man eine Papiertüte… Aber wieso eigentlich überhaupt? Ich gehe in den Supermarkt, trage meine Tomaten einzeln zur Waage, klebe einen Zettel auf eine Tomate und der Rest wandert lose in meinen Korb. An der Kasse lege ich dann die einzelne Tomate aufs Band. Oder auch nur den Zettel, wenn ich gerade nen Blatt dabei habe, wo ich die Zettel draufkleben kann.
Ich wurde doch tatsächlich letztens gefragt, ob ich eine einzelne Banane gekauft hätte (weil ich gerade diejenige aß, welche den Zettel hatte…)! Der Gedanke, dass ich für Bananen eine Plastiktüte verwende ist doch absurd? Wozu?

Ich hasse Routine. Das verleitet doch nur dazu, dass man nicht mehr hinterfragt, WIESO man etwas  WIE macht… Sicher, irgendwann hatte man mal einen guten Grund dafür, aber gilt der noch? Habe ich in der Zwischenzeit nicht etwas gelernt, was den Grund in Frage stellt? Außerdem treiben meine Gedanken dann weit weit weg und ich mache Fehler… Wir bei meinem zweiten Korb geschehen wo ich mich am Ende verflochten habe…
In diesem Sinne: Für handwerkliche Fähigkeiten und für das Hinterfragen von alten Denkmustern!

Und so sahen sie dann am Ende aus – meine ersten wunderbaren selbst geflochtenen Körbe :)

11 korb fertig

Bis zum Nächsten Mal, wenn es heißen wird – Adieu Rosa!

 

2 Gedanken zu „Über Korb flechten oder wie man Dinge lernt, die früher selbstverständlich waren“

  1. aber hallo!!!
    außenstation kumlinge, bitte melden!!
    was ist denn mit dem blog passiert? ich mein, das korbflechten ist ja schon interessant gewesen zu lesen, geb ich zu, aber seit 1.advent werden wir hier blogmäßig auf sparflamme gehalten!!! :O 😉

    also, bei 21 stunden finsternis am tag haben wir hier im süden ja verständnis für den winterschlaf 😉 😉 aber seit vorgestern habt ihr ja sogar wieder längere tage, also kann man das jetzt auch nicht mehr gelten lassen…

    und wir wollen nordlichter-fotos sehen!!! 😀
    da gab´s am mi doch einen sonnensturm wie schon jahre nicht mehr, liest man – so dass sogar am alpenhauptkamm am sonnblick-observatorium „nord“lichter zu sehen waren. wie cool muss das denn dann erst bei euch gewesen sein??

    sehnsucht!! sehr sehnsucht! kumlinge bitte melden!! 😉
    lg g+m

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